Kein Ausstieg aus Billigfleisch: Heimische Handelskonzerne folgen deutschem Vorbild nicht

Kürzlich haben sich alle deutschen Handelskonzerne dazu bekannt, dass sie mittelfristig kein Fleisch mehr listen wollen, das lediglich den niedrigsten gesetzlichen Standards entspricht. Die deutschen Haltungsstufen 1 & 2, die etwa bei Schweinefleisch dem österreichischen Standard entsprechen, sollen in den kommenden Jahren aus den Regalen verschwinden.

Da der deutsche Markt eng mit dem österreichischen verbunden ist, vor allem was Schweinefleisch betrifft, stellt sich die Frage, wie es die österreichischen Handelskonzerne nun damit halten. Insbesondere da drei der vier Händler, die zusammen fast 90 Prozent des Marktes abdecken, Tochterunternehmen von deutschen Konzernen sind.

Die Bürgerinitiative oekoreich hat bei SPAR, REWE, HOFER und LIDL nachgefragt. Die Antworten fallen ernüchternd aus, die großen Konzerne wollen dem deutschen Vorbild demnach offenbar nicht folgen. Vielmehr delegiert man die Verantwortung auf die Konsument*innen bzw. die Bürger*innen und erwartet Impulse durch den Gesetzgeber.

„In Deutschland haben die Handelsketten reagiert, weil sie verstanden haben, dass in der Gesellschaft eine Zeitenwende angebrochen ist. Die Menschen haben es satt, dass Fleisch am untersten Niveau produziert wird. Die gesetzlichen Mindeststandards sind in Deutschland genauso wie in Österreich nicht mit dem Tierwohl-Anspruch in Einklang zu bringen, sie erfüllen in Wahrheit nicht mal die basalen Anforderungen des Tierschutzes. Die Multis wissen, dass in Deutschland bald eine gesetzliche Weiterentwicklung kommt und bringen sich jetzt schon in Position. In Österreich übt man sich derzeit noch in Zurückhaltung, offenbar im Vertrauen darauf, dass die Politik schon keine Verschärfungen vornehmen wird. Wir müssen dafür sorgen, dass die Konzerne sich hier irren. Die Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens müssen zeitnah umgesetzt werden, dann erledigt sich die Diskussion von selbst. Das Wohl der Tiere und der Erhalt der Natur dürfen nicht von den Launen oder Profitüberlegungen der Handelskonzerne abhängig sein, sie können mit dieser großen Verantwortung wie man sieht nicht umgehen. Die Politik ist aufgefordert – ähnlich der deutschen Borchert-Kommission – einen großen Reformplan vorzulegen, der den Umbau in eine tier- und klimafreundliche Landwirtschaft sicherstellt. Wir erwarten dies spätestens im Herbst“ so Sebastian Bohrn Mena, Koordinator der Bürgerinitiative oekoreich und Bevollmächtigter des Tierschutzvolksbegehrens.

Der ausführliche Recherche-Bericht von oekoreich samt der Antworten der Handelskonzerne kann dem Anhang entnommen werden.

Rückfragen & Kontakt:
Bürgerinitiative oekoreich, initiative@oekoreich.com, +43 660 703 88 64

Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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