Resilienz in der Lieferkette

Mag. Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich, Geschäftsführer der Fachverbände Bergbau-Stahl und NE-Metalle in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Präsident des European Shippers‘ Council (ESC) spricht übers Thema Resilienz in der Lieferkette.

Resilienz in der Lieferkette. Supply Chain Management

Als Präsident der BVL Österreich und gleichzeitig auch des European Shippers‘ Council ist Roman Stiftner bestens mit den Herausforderungen in den Lieferketten vertraut. „Die EU ist aufgrund der Globalisierung sehr stark von anderen Regionen abhängig, insbesondere im Bereich der Rohstoffe. Insbesondere China und Russland sind als Lieferländer problematisch und der Ruf nach Diversifizierung wird laut, ebenso das Bestreben, Rohstoffabbau und Industrie zurück nach Europa zu holen. Doch nimmt man als Beispiel die Batterien-Herstellung, sieht man, dass nicht nur Rohstoffe, sondern auch Aufbereitungsmöglichkeiten fehlen.“ Im Bereich der Forschung würde zwar viel investiert, doch wäre es dringend nötig, die Unternehmen mehr einzubinden und gleichzeitig die Projektabwicklung zu entbürokratisieren. „Wir können nicht alles selbst herstellen, aber es wäre wichtig, die
Lieferketten zu Diversifizieren.

Mercosur- und Brics-Staaten rittern seit Jahren um Partnerschaften, ein Abschluss der Verträge würde enorme Vorteile für Österreich bringen“, ist Stiftner überzeugt. Er plädiert auch dafür, sich als EU mehr in Nordafrika zu engagieren, auch um die Migration zu steuern. Gleichzeitig sorgt er sich, dass die Ökologisierung Europas mit einer De-Industrialisierung einherging. „Natürlich ist die Transformation in Richtung CO2-frei nötig, aber es hilft wenig, wenn es nur zu einer Verlagerung und dann zu einem Import der zuvor ausgelagerten Produkte kommt. Denn Nachhaltigkeit heißt mehr als nur Umweltschutz, es geht auch um sozialen Wohlstand.“

Für Unverständnis sorgt der Umstand, dass die Energiepreise in Österreich weitaus stärker gestiegen sind als in anderen Teilen der Welt (Vgl. USA 15%, China fast gar nicht), worunter insbesondere die Industrie massiv leidet – ebenso wie unter der Inflation. „Wir benötigen eine ebenso kostengünstige wie zuverlässige Energieeinfrastruktur, und notfalls muss die Politik für einen Ausgleich sorgen.“ (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2023

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