Ein Sargnagel erfreut sich größter Beliebtheit

Ein Flusskreuzfahrtschiff, dass im 36. Betriebsjahr noch immer Geschichte schreibt, kommt in der Flussschifffahrt nicht sehr häufig vor. Der Grund dafür sind gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale. Die Rede ist vom Donau-Kabinenschiff MOZART.

Text: Peter Baumgartner

Dabei war es das Bestreben vieler Akteure, dass Schiff schon untergehen zu lassen, bevor es überhaupt schwimmen konnte. Viele haben mit großem persönlichem Einsatze alles versucht, um aus den Plänen für das größte Flusskreuzfahrtschiff Europas, ein Papierschiff zu machen. Das ist zumindest nicht gelungen. Diese Kavitationskräfte konnten zwar dem Bau des Schiffes nichts anhaben, aber der stetige Kavitationsfraß hat dennoch eine Folge von schweren Schäden ausgelöst.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass das Kabinenschiff MOZART maßgeblich am Untergang der Ersten Donau Dampfschiffahrts Gesellschaft (DDSG) beteiligt war. Die DDSG war nämlich die erste Betreiberin (nicht Eigner) dieses Kabinenschiffes. Das Schiff war der „Sargnagel“ für die geschichtsträchtige Reederei, lautet der Tenor bis heute. Diese Behauptung wird allerdings mit der Häufigkeit der Wiederholung nicht richtiger. Richtig ist, die Reederei DDSG hatte viele Sargnägel, aber keiner trug den Namen MOZART.

Zuletzt hat die Sargnagel-Geschichte der Chefredakteur von den Oberösterreichischen Nachrichten aufgewärmt. MS MOZART wurde keine Erfolgsgeschichte, schrieb Eike-Clemens Kullmann, sondern der „finanzielle Sargnagel“ der DDSG. Die Sargnägel für die DDSG waren allerdings Menschen und politische Glücksritter, die mit dem Schiff und der Aufgabe nicht umgehen konnten oder wollten. Einer der Sargnägel war auch die österreichische Medienlandschaft, die anstatt genau zu recherchieren und das zu tun, wofür sie da ist, lieber schadenfrohe Schlagzeilen produzierte. Kullmann, Präsident des Presserats, Betriebsrat und Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, ist seit 1983 Journalist und seit 1987, genau seitdem das Kabinenschiff MOZART in Betrieb ist, bei den OÖ-Nachrichten tätig. Äußeres Zeichen eines Qualitätsmediums ist für Kullmann die Mitgliedschaft im Presserat. Einer zahnlosen Selbstregulierungseinrichtung, die maximal den Anstandswauwau spielen kann und deren Ehrenkodex für einige Mitglieder höchstens so etwas wie das AMA-Gütesiegel für das Tierwohl ist. Mit finanziellen Forderungen berufsbedingt bestens vertraut, verlangt der Gewerkschafter Kullmann aktuell in Summe 26 Mio. Euro/a öffentliche Förderung für den Journalismus in Österreich Zur Erinnerung: 26 Mio. Euro zusätzlich zu den satten Inseratengeschäften im öffentlichen Bereich für ein paar stinkreiche Medienmoguls, die sich das überschaubare Medienangebot in Österreich aufgeteilt haben und die für „Qualitätsmedien“ stehen, die im Vertrauensindex gerade noch knapp vor der Regierung, an vorletzter Stelle rangieren. Zum Vergleich: Um den Erlös bereinigt, hat das Kabinenschiff MOZART dem Steuerzahler etwa 400 Mio. Schilling gekostet. Das sind umgerechnet etwa 29 Mio. Euro – einmalig, nicht jedes Jahr. Zu Recht fordern Kullmann und die Medienbranche die Beibehaltung der Wiener Zeitung, die älteste Tageszeitung der Welt, die im österreichischen Staateigentum steht. (Die Republik als Eigentümerin hat die Verpflichtung, die Marke Wiener Zeitung zu erhalten/Kullmann). Als man die 1829 gegründete staatseigene DDSG „still liquidiert“, beziehungsweise erfolgreich „versenkt“ hatte, krähte allerdings kein Hahn nach Tradition und Patriotismus. Nur Hannes Androsch resignierte 1995 und meinte, dass die Liquidation der DDSG mit Lipizzanern vergleichbar ist, die zu Leberkäs verarbeiten würden und man könne auch gleich das Riesenrad verschrotten. Rechnungshof Präsident Fidler stimmte in seiner Parlamentsrede zu: „…ein Stück Österreich ist verlorengegangen“.

MS MOZART kurz vor dem Stapellauf in Deggendorf. Quelle: Peter Baumgartner

MS MOZART wurde 1986/87 in der damaligen Deggendorfer Werft und Eisenbau GmbH. (DWE) gebaut. Die österreichische Schiffswerft ÖSWAG konnte preislich angeblich nicht mit den Deutschen mithalten. Vielleicht liefen auch die im Raum stehenden und noch immer ungeklärten Schmiergeldzahlungen nicht ganz rund. Man weiß es nicht. Jedenfalls war das Verhältnis Werft/DDSG schon länger eher unterkühlt. Allerdings muss man ergänzend hinzufügen, dass die ÖSWAG an dem Schiff durch Umbauten, Reparaturen und Wartungsarbeiten in den letzten 36 Jahren wahrscheinlich so viel verdient hat, dass man damit ein neues Kabinenschiff bauen könnte. Die Ingenieure und Mitarbeiter der DWE haben jedenfalls eine technische Meisterleistung der Extraklasse zu Wasser gebracht. Die 1916 gegründete Werft gehört noch heute zum MAN Konzern. Internationale Anerkennung fand die Werft vor allem zunächst durch den Bau von gigantischen Wasserbaugeräten, die bis Afrika ausgeliefert wurden. Zusätzlich wurden und werden auch heute noch extrem anspruchsvolle Anlagen für verschiedenste Einsätze auf der ganzen Welt in Deggendorf gefertigt.

Dipl. Ing. Gerhard Hellmich/DWE war der führende Experte beim Bau des Kabinenschiffes MS MOZART. Quelle: P. Baumgartner

Das Kabinenschiff MOZART, dass im Frühjahr 1987 aus der Werfthalle geschoben wurde, sprengte alle Normen und stellte alle bisher gebauten Kabinenschiffe in Europa in den Schatten. Voller Stolz berichtete damals der Werftchef Dipl. Ing. Gerhard Hellmich im Namen seiner Mannschaft, dass das Schiff alle, einschließlich den künftigen Nutzer begeistert. Einen großen Anteil am Erfolg hatte neben der Werft auch das Elektrotechnik Unternehmen Hermann Mühlheims KG aus Duisburg, das mit seinen Experten aus der ästhetischen Meisterleistung ein funktionierendes Wunderwerk schaffte. Für damalige Zeiten noch nicht selbstverständliche Technik, wie zum Beispiel Trinkwasseraufbereitung, Müllmanagement und Klimatechnik, zählten zum Standard an Bord. Kostbare Materialien, die überall am Schiff verbaut und von viel österreichischer Kunst umrahmt wurde, hinterließ bei allen Gästen ein Gefühl von zeitloser Eleganz unter österreichischer Flagge.

Kommandobrücke MS MOZART Quelle: Peter Baumgartner

Inzwischen hat das Schiff mehrfach den Besitzer, Heimathafen und Flagge gewechselt. Eines haben alle nachfolgenden Besitzer gemeinsam: Sie wollten ihren Kunden ein einzigartiges Schiff bieten. Kein Schiff, dass man von der Stange auf einer chinesischen Werft kaufen kann und die man, hätten sie nicht unterschiedliche Namen, nicht voneinander zu unterscheiden vermag. Nein, anspruchsvolle Käufer wollten immer nur dieses eine Schiff, dass die Kompetenz der österreichischen Akteure von Anfang an überfordert hatte. Der Name MOZART hat sich durch alle unterschiedlichen Eigner nicht geändert. Nur der Zusatznamen verwies immer auf den neuen Eigner. Mal hieß es TUI MOZART oder CRYSTAL MOZART usw. Jetzt heißt das Schiff RIVERSIDE MOZART, weil es vom Luxushotel Unternehmen „Seaside Hotel Collection“ gechartert wurde. Gehören tut das Schiff einer Reederei, die wie kaum eine andere, genau zum Schiff MOZART passt. Die traditionsreiche F. Laeisz Reederei aus Hamburg (1824 gegründet), wo nun auch der neue Heimathafen für MS MOZART ist. Und jener Mann, der weltweit für zahlreiche Luxushotels verantwortlich zeichnet, CEO Gregor Gerlach, sagt mit Überzeugung, das 36 Jahre alte ehemalige DDSG Kreuzfahrtschiff MOZART, diese ehemalige „Fehlentscheidung“, dieser „Sargnagel“, ist im Moment das schönste Schiff in Europa. Wie erbärmlich klingen vor diesem Hintergrund die kleinkrämerischen Anmerkungen der unseligen Parteigänger in Österreich, die immer nur im Sinn hatten, visionslos zu überleben und deren Horizont am Rand des Weinglases in ihrer Hand endete. Die Geschichte des ehemals österreichischen Kabinenschiffes MOZART ist noch lange nicht zu Ende. Und es legt Zeugnis, mit welcher destruktiven Gewalt hierzulande eine einzigartige Reederei von einem Haufen Parteibonzen bis zur Unkenntlichkeit vernichtet wurde. Was zwei Weltkriege und zahlreiche Krisen über Jahrzehnte nicht geschafft haben, ist einigen wenigen Akteuren in kurzer Zeit zu 100 Prozent gelungen. Niemand wurde dafür – typisch österreichisch, zur Verantwortung gezogen.

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