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Resilienz vs. Effizienz: Widerstand erwünscht!

7. September 2017 23:46
Resilienz vs. Effizienz: Widerstand erwünscht!

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Systemresilienz – ein Begriff, der noch nicht überall im Wirtschaftsleben angekommen ist, aber kurz vor dem Durchbruch steht. Er umschreibt nämlich geschmeidig, worauf es ankommt: die Fähigkeit, nach unvorhersehbaren Einflüssen auf ein System zu reagieren und weiter zu bestehen. Psychologen, Juristen, Ökologen, Ingenieure und auch Zahnmediziner kennen Resilienz aus ihren Fachgebieten. Auch „Supply Chainer“ sollten sich mit dem Begriff vertraut machen, schließlich verbirgt sich dahinter ein verheißungsvoller Erfolgsfaktor für moderne Lieferketten. Gastbeitrag: Sabine Ursel

Wir wissen nur zu gut: Unsere globalen Supply Chains sind sensibel und anfällig. Jederzeit. Verantwortliche Manager stehen ständig unter Strom. Störungen in der Produktion sind an der Tagesordnung. Dafür gibt es hoffentlich funktionierende Maßnahmenpakete. Eklatantes wie Terrorismus, kriegerische Konflikte und Naturkatastrophen sind hingegen Worst Cases, die in nicht wenigen Unternehmen mit dem Etikett „unwahrscheinliches Eintrittsrisiko“ versehen sind. „Geht uns nichts an“ oder „Wir reagieren, wenn es so weit ist“ – das sind Aussagen (immer wieder gehört), die nahelegen, dass hier jemand sein Unternehmen latenter Gefahr aussetzt. Ein Blick auf den Globus sollte genügen, um überall Bedrohungsszenarien zu erkennen, denen sich eigene, wichtige Lieferanten ausgesetzt sehen.

Erfolgsfaktor Systemresilienz: wirtschaftlich, ökologisch und sozial zukunftssicherer
Dabei geht es nicht nur um den „plötzlichen Notfall“, sondern auch um langfristige Veränderungen, die auf Märkte, Produkte und Unternehmensmodelle einwirken. Stichworte: Klimawandel, Ressourcenverknappung, starke demographische Wandlungen. Supply Chainer müssen zu jeder Zeit vordefinierte belastbare Handlungsoptionen einleiten können. Besonnen und ohne Hektik. Weitsicht ist gefordert. Wer hierbei allerdings ausschließlich die Effizienz betrachtet (traditionell „gereifter“ Faktor), der greift zu kurz. Klaus Krumme, Geschäftsführer, Zentrum für Logistik & Verkehr, Universität Duisburg-Essen, bringt es auf den Punkt: „Rein auf Kosten- oder Ökoeffizienz ausgerichtete Supply Chains bieten weder Puffer noch notwendige Variabilitäten oder alternative Ressourcen, um auf Störungen schnell und sicher reagieren zu können.“ Der bloße Cost-Ansatz gefährde das Wertschöpfungssystem insgesamt. Systemgrößen sind keine starren Einheiten, sie verändern sich ständig. Darum ist eine vom Menschen gesteuerte Systemresilienz (Anm.: die Fähigkeit, nach unvorhersehbaren Einflüssen auf ein System zu reagieren und weiter zu bestehen) ein bedeutender Erfolgsfaktor.

„In kaum einem Bereich ist die Gestaltung des notwendigen Wandels herausfordernder und somit ökonomisch riskanter als entlang der Supply Chain“, sagt Krumme. Nachhaltiges Systemdenken in der Logistik baue auf einem erweiterten Blickwinkel auf. Insbesondere sich über mehrere Kontinente erstreckende Supply Chains sollten keine „unrechtmäßigen“ Umverteilungen von Ressourcen mehr forcieren – aus sozial-ökologischer Sicht, aber auch aus langfristig wirtschaftlichem Interesse. Seine Erkenntnis: „Der Supply Chainer kann durch den Resilienzgedanken das Gesamtgefüge durch gezielte Eingriffe wirtschaftlich, ökologisch und sozial zukunftssicherer gestalten.“ Transition Management ist in diesem Zusammenhang ein zweiter Begriff, der sich zum Trend mausert. (SU/RED)

Die Fachkonferenz „EXCHAiNGE – The Supply Chainers’ Conference 2017“ findet am 27. September 2017 in Frankfurt am Main statt.

www.exchainge.de

Klaus Krumme –Gesamtmoderator der zweitägigen Konferenz – erläutert, wie sich ein Resilienzdesign mit Maßnahmen in Sachen Diversität, Dezentralität und Flexibilität aller betroffenen Systemressourcen und Strukturen implementieren lässt. Prof. Dr. Michael Henke, Institutsleiter, Bereich Unternehmenslogistik, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik  und Prof. Dr. Thomas Hanke, stellv. Direktor, Institut für Logistik- und Dienstleistungsmanagement, FOM Hochschule Essen geben wesentlichen Input. Sie bestreiten am ersten Tag die Session „Resilienz versus Effizienz: Stabilität durch flexible Supply Chains“.

 

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