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Stationäre Trends und Logistik-Innovationen – 13. Standorttag des Handelsverbandes in Wien

7. September 2017 23:12
Stationäre Trends und Logistik-Innovationen – 13. Standorttag des Handelsverbandes in Wien

Beitrag bequem vorlesen lassen:

Die Zahl der Verkaufsflächen geht zurück, gleichzeitig ist aber ein neuer Trend im Handel zu beobachten: Immer mehr (frühere) Onlinehändler gehen in die Fläche, indem sie mit bestehenden Retailern kooperieren oder diese gleich übernehmen. Der direkte Kundenkontakt rückt damit wieder in den Fokus. Für den stationären Handel geht es jetzt darum, sich auf seine Stärken zu besinnen und digitale Innovationen bestmöglich für sich zu nutzen. Bei der 13. Auflage des Handelsverband Standorttages am 27. September 2017 wird sich daher alles um innovative Flächenlösungen und vernetzte Handelslogistik als Erfolgsfaktoren drehen. Beitrag: PI/Redaktion

Die Zeiten, in denen Stationärer Handel und Online-Handel als zwei parallele, voneinander unabhängige Welten gesehen wurden, sind vorbei. Im Gegenteil, längst sind die erfolgreichen, innovativen Händler damit beschäftigt, ihre Distributionskanäle bestmöglich aufeinander abzustimmen und ständig zu verbreitern. In Österreich setzen mittlerweile 109 der 250 umsatzstärksten Onlineshops auf Multi- bzw. Omni-Channel. Und dieser Mut zum kanalübergreifenden Businessmodell wird belohnt: denn die Käufer wollen im Zeitalter des Kunden möglichst bequem, schnell, unkompliziert und friktionslos zum besten Preis einkaufen – egal ob offline oder online – unabhängig vom Endgerät.

Fläche ist König
Der Wirtschaftsstandort Österreich wird vom heimischen Handel maßgeblich aufgewertet. Für letzteren hat der Standort-Begriff allerdings noch eine weitere wichtige Bedeutung, nämlich den eigenen Kunden möglichst nahe zu sein. Fläche ist auch im Zeitalter der Digitalisierung König, immerhin werden rund 90 Prozent der Handelsumsätze nach wie vor stationär erzielt. Vor diesem Hintergrund ist auch die spektakuläre Übernahme der weltgrößten Bio-Supermarktkette Whole Foods durch den Online-Giganten Amazon zu sehen. 13,7 Milliarden Dollar machte Amazon locker und startete damit das Projekt „Neuerfindung des stationären Handels“. Immer mehr Online-Anbieter wie Zalando oder Home 24 ziehen inzwischen nach und planen neue Shops in städtischen Ballungsräumen.

Dessen ungeachtet hat sich der digitale Einfluss auf den Handel binnen 4 Jahren verzehnfacht. Pro Jahr werden mittlerweile rund 6,8 Milliarden Euro online umgesetzt, das entspricht 89 Prozent der gesamten österreichischen Distanzhandelsausgaben, wie die Ergebnisse der „E-Commerce Studie Österreich 2017“ gezeigt haben. Die österreichischen Händler profitieren von diesem wachsenden Markt allerdings nur begrenzt, da mehr als jeder zweite Konsument im Ausland bestellt und so den Kaufkraftabfluss verstärkt.

Interessanterweise ist das Internet dreimal so oft digitaler Showroom für den stationären Handel als umgekehrt. Auch die Cross-Selling-Potenziale sind überraschend hoch, und zwar über alle Produktgruppen hinweg. Und nicht zuletzt ist die Qualität der Zustellung ganz entscheidend für die Wiederkaufswahrscheinlichkeit – zwei Drittel kaufen wieder, wenn sie zufrieden sind, jedoch nur ein Viertel bei Unzufriedenheit.

Zwischen Freud und Leid: M-Commerce & Retouren
Bereits 68 Prozent der Österreicher (über 15 Jahre) besitzen ein Smartphone, 42 Prozent nutzen es für Produktrecherchen im Internet und 21 Prozent kaufen mittlerweile regelmäßig direkt via Smartphone ein und generieren damit einen jährlichen Umsatz von 530 Millionen Euro. „Wir sehen für 2017 einen Umsatzzuwachs im M-Commerce von 25 Prozent. Das Smartphone wird damit zum besten Freund des Händlers“, kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, den aktuellen Trend zum Smartphone Shopping. So hat sich die Zahl der Smartphone-Shopper zwischen 2012 und 2017 versechsfacht.

Ein anderes zentrales Thema im E-Commerce sind nach wie vor die Retouren. Rund 40 Prozent der Online-Shopper senden zumindest einen Teil der bestellten Waren wieder retour, wobei vor allem das Segment Mode/Bekleidung betroffen ist. Bei anderen Warengruppen fällt die Retourenquote zum Teil deutlich geringer aus. Schuhe werden beispielsweise von 27 Prozent der Käufer retourniert, Elektrogeräte nur von elf Prozent. Allen Anstrengungen der Händler zum Trotz konnte die Zahl der Retouren in den letzten Jahren nicht signifikant gesenkt werden. Abhilfe könnten künftig digitale Einkaufsberater, Augmented Reality (AR) und Mass Customization schaffen.

Logistik 4.0 – mehr als ein Schlagwort
Wenn von Handel und Retouren die Rede ist, muss immer auch die dahinter liegende Logistik mitbetrachtet werden, denn die Umsetzung von Omni-Channel-Lösungen auf der Fläche wie Online bedingt nahtlos integrierte Logistikprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das Schlagwort „Logistik 4.0“ gibt es nicht grundlos, es baut auf den Möglichkeiten von Smart Data und zielt etwa darauf ab, die Verkehrsentwicklung in bestimmten Regionen zu berechnen, oder intelligente Modelle für die Vernetzung von Transportketten zu entwickeln.

Damit dies sichergestellt werden kann, müssen die Händler sämtliche Prozesse und Touchpoints optimieren – von der Online-Präsenz über ein effizientes E-Procurement und E-Fulfillment bis hin zu einem funktionierenden Beschwerdemanagement. Denn Omni-Channel bedeutet für die Händler auch, ihre Lagerbestände, Lieferwege und Zustellsysteme zu vernetzen und zu bündeln. Das Ziel sind intelligente Wertschöpfungsketten, die alle Phasen des Produktlebenszyklus umfassen: von der Konzeption über die Fertigung, Nutzung und Wartung bis hin zur Entsorgung.

Hierbei könnten neue Technologien wie Distributed Ledger eine entscheidende Rolle spielen. Blockchain (auf Basis der Distributed Ledger Technologie) hat etwa, neben der populären Kryptowährung Bitcoin, noch sehr viel mehr zu bieten und kann viele Logistik-Prozesse vereinfachen und vor allem lückenlos verfolgbar machen. Behörden und Zulieferbetriebe aus der Supply Chain könnten so auf einen transparenten Informationsstrom zugreifen und den Ursprung von Produkten und Rohstoffen jederzeit zurückverfolgen. Entsprechende Pilotprojekte, etwa von Walmart, IBM, Maersk und vielen anderen, haben bereits erste Erfolge gezeigt.

Das neue Stationär kann mehr
Welche Standorte haben in Österreich derzeit die Nase vorn? Mit welchen Filialstrategien kann in Zeiten des E-Commerce gepunktet werden? Wie können die neuen Möglichkeiten der Beschaffungs-, Inhouse-, Distributions- und Last-Mile-Logistik genutzt werden? Fragen wie diese werden beim traditionellen Standorttag des Handelsverbands am 27. September 2017 in Wien beantwortet. Spannende Key Notes, anregende Podiumsdiskussionen, aktuelle Trends und innovative Best Practice Beispiele warten darauf, entdeckt zu werden. Ganz nach dem Motto „das neue Stationär kann mehr“ werden sich hochkarätige Speaker wie Stefan Bruckbauer (UniCredit Bank Austria), Nordal Cavadini (Oliver Wyman), Thomas Gerbl (Stiegl), Martin Gleiss (Spar), Peter Umundum (Post) und viele mehr die Klinke in die Hand geben.

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