Romy Faisst, Herrin über 250 Konferenzen und Seminare pro Jahr


Es geht auch ohne Peitsche 

Von der Spitzensportlerin zur Spitzenmanagerin: Die ehemalige Kunstturnerin Romy Faisst feiert heuer das zehnjährige Bestehen ihrer Firma Business Circle.

Romy Faisst redet nicht gerne über sich selbst – nicht einmal für einen Artikel über ihr Leben. „Business Circle ist mein Leben“, sagt sie lieber. Business Circle ist der mittlerweile grösste Konferenz-Anbieter in Österreich, den sie selbst vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben hat. Das Unternehmen hat im Vorjahr mit 20 Mitarbeitern 250 Konferenzen und Seminare für 3500 Teilnehmer durchgeführt. Der Umsatz sei um 40 Prozent gewachsen, sagt die Chefin, genaue Zahlen werden aber nicht verraten.

Romy Faisst ist das, was viele Frauen gerne wären: Firmenchefin, Selfmadewoman mit einem grossen Freundeskreis, gleichzeitig Ehefrau und Mutter. Dazu ehemalige fünffache Staatsmeisterin im Kunstturnen, Spezialität Schwebebalken (was sie auch ins Finale des WirtschaftsBlatt Business Athlete Award führte). Das ist die eine Seite, die glänzende. Die andere Seite: Romy Faisst, geboren 1963 irgendwo im Bregenzer Wald, mittleres von fünf Kindern. „Ich war in der Mitte, bin niemandem aufgefallen. Anerkennung hatte ich hier nicht. Also musste ich anders auffallen.“

Das junge Mädchen war sportlich begabt und fiel als ehrgeiziges Talent einem Lehrer auf, der die Zehnjährige zu sich nach Hause nahm und in seinem Team trainierte. „Meine Mutter hat mich ziehen lassen. Ich weiss immer noch nicht, was ich davon halten soll – aber sie wollte mir diese Chance lassen.“ Im Alter von zehn Jahren zog sie zu der Familie des Trainers. Bereiste die Welt, kam zur Nationalmannschaft, hatte etwas vorzuweisen.

Ehrgeizige Sportlerin

Wie das so ist mit Sportlerkarrieren, war mit 17 dann Schluss und das „normale“ Berufleben begann. Faisst machte eine Ausbildung zur Bankkauffrau – „reiner Zufall“, wie sie sagt –, arbeitete dann lange in einer Bank. Nächste Station war die Unternehmensberatung Simma & Partner. Schliesslich landete sie 1989 in der Ausbildungsbranche bei Postgraduate Services, wo sie vier Jahre blieb.

Dann, 1994, erfüllte sie sich einen Traum und gründete ihr eigenes Ausbildungsunternehmen. „Mit keinem Groschen Fremdgeld“, sagt Faisst stolz. „Ich habe mir von befreundeten Unternehmen Möbel gekauft, das eigene Ersparte investiert, und von einigen Leuten wurde mir auch privat Geld zur Verfügung gestellt. Im zweiten Jahr waren wir in den schwarzen Zahlen.“

Hektik im Büro

Das Büro von Business Circle im siebenten Bezirk in Wien wirkt immer betriebsam, sogar chaotisch. Hier wird gearbeitet, nicht repräsentiert. Für Romy Faisst zählen ebenfalls eher traditionelle Werte: Fleiss, Selbstverantwortung und, ungewöhnlich aus Management-Munde, Tugend. Ihre Vorbilder findet sie unter ihren Referenten. „Die Tugend fasziniert mich. Es gibt Menschen, die ein aussergewöhnliches Fachwissen, aber auch eine persönliche Geradlinigkeit haben“, schwärmt sie.

Der Chef kocht

Faissts Tag beginnt mit einem Kakao, den sie gemeinsam mit ihrer sechsjährigen Tochter Franziska geniesst. Sie geht auf ihre Konferenzen, begrüsst die Redner und die Kunden. „Unser interner Slogan lautet: Der Chef kocht persönlich.“ Dann: Konzeptarbeit. Welcher Zeitpunkt ist der richtige für ein Thema? Welche Redner passen zueinander? Zwei bis drei Stunden ist sie dabei untertags zu Hause bei ihrer Tochter.

„Ich habe gar keinen Führungsstil. Zumindest keinen mit Peitsche. Was zählt, ist das Ergebnis“, sagt Faisst. Dazu passt das Partnerschaftsmodell, das Faisst auf Anregung ihres Ehemanns und Kollegen Christian Necas 2001 eingeführt hat: Wer zwei bis drei Jahre lang seinen Bereich erfolgreich führt, kann Anteile erwerben. „Es ist schwierig, Menschen zu begeistern“, zieht Romy Faisst Bilanz, „aber heute kommen die Leute zu uns und wollen mitarbeiten. Wir haben durch unser Beteiligungsmodell an Attraktivität gewonnen.“

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