Umfrage: Umsätze sinken, kaum Produktionsrückholungen geplant

Unternehmen rechnen weltweit mit drastischen Umsatzeinbußen durch die Coronakrise. An eine Rückholung von Produktionen in die Europäische Union denken allerdings nur wenige.

Thomas Gindele, DHK Hauptgeschäftsführer: Um Produktion und Lieferketten zu sichern, setzen die Verantwortlichen offenbar mehr auf Diversifizierung als auf Produktionsrückholung

Die Covid-19-Pandemie hat massive Auswirkungen auf die Unternehmen, so das Ergebnis einer Umfrage bei den Mitgliedsbetrieben der Deutschen Auslandshandelskammern, Delegationen und Repräsentanzen (AHKs). Das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) umfasst 140 Standorte in 92 Ländern. An der jüngsten Sonderbefragung zum „AHK World Business Outlook“ beteiligten sich 3.300 Unternehmen. Die wichtigsten Ergebnisse: Die Covid-19-Pandemie führt in fast allen Unternehmen zu hohen Umsatzeinbußen. Demnach beklagen 83 Prozent der Befragten Umsatzeinbrüche, 15 Prozent sogar mindestens eine Halbierung ihres Jahresumsatzes. Lediglich für 8 Prozent ändert sich nichts; nur 5 Prozent rechnen mit Zuwächsen.

Dem internationalen Trend entspricht auch die Lage in Österreich: Hier prognostizieren rund 86 Prozent der Befragten Umsatzeinbrüche. 14,3 Prozent gehen von einem Rückgang von mehr als der Hälfte des Umsatzes aus, 17,9 Prozent von 25 bis 50 Prozent; 35,7 Prozent rechnen mit 10 bis 25 Prozent und 17,9 Prozent mit Rückgängen bis zu 10 Prozent. Lediglich 14,3 Prozent prognostizieren keine Änderung. Mit mehr Umsatz rechnet in Österreich keiner der Umfrageteilnehmer.

Standortverlagerungen im Land.
Die auf politischer Ebene aktuell diskutierte Rückholung von Produktionen nach Europa scheint die Unternehmen indessen weniger zu beschäftigen: Für 22 Prozent der Unternehmen kommt aufgrund der aktuellen Krise zwar eine Verlagerung von Standorten oder der eigenen Produktion in Betracht, doch rund zwei Drittel (62 Prozent) dieser Verlagerungen sollen innerhalb des jeweiligen Landes geschehen. Je nach Region planen nur 1 bis 7 Prozent der Befragten eine Produktionsrückholung nach Deutschland oder in die EU. Betroffen sind davon vor allem Produktionsstätten in Süd- und Mittelamerika sowie in Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten.

Deutlich auch die Antworten der in Österreich befragten Unternehmen: 89,3 Prozent planen keine Änderungen.

„Um Produktion und Lieferketten zu sichern, setzen die Verantwortlichen offenbar mehr auf Diversifizierung als auf Produktionsrückholung“, sieht Thomas Gindele, Hauptgeschäftsführer der DHK – Deutsche Handelskammer in Österreich (AHK Österreich), seine Eindrücke aus Gesprächen mit Unternehmern durch die Umfrageergebnisse bestätigt. So suchen 38 Prozent der deutschen Unternehmen im Ausland vermehrt nach neuen Lieferanten. Von diesen Unternehmen suchen 63 Prozent vor allem lokale Zulieferer im jeweiligen Land. 31 beziehungsweise 37 Prozent

suchen allerdings auch in Deutschland und in der EU nach geeigneten Lieferanten für ihr Geschäft. In Österreich steht für ein Viertel der Befragten bei der Lieferantensuche die EU sowie der Rest Europas inklusive Türkei und Russland im Fokus. Drei Viertel planen keine Änderungen.

Auslandshandelskammern informieren Unternehmen.
Der Informationsbedarf der Unternehmen über die Covid-19-Maßnahmen in den jeweiligen Ländern ist nach wie vor hoch. Die AHKs informieren über die aktuellen Reiseeinschränkungen sowie staatliche Unterstützungsmaßnahmen und helfen bei der Suche nach neuen Geschäfts- und Vertriebspartnern. Allein die AHK Österreich hat in den vergangenen vier Monaten mehr als 900 Anfragen zu den Themen Grenzübertritt, Steuern und Recht sowie zur Geschäftspartnersuche beantwortet.

Rückfragen & Kontakt:
Deutsche Handelskammer in Österreich
Patricia Schindler
Abteilungsleiterin Kommunikation
+43 676 845 14 17-45
patricia.schindler@dhk.at
www.dhk.at

Quelle: APA/OTS Wirtschaft

Translate »