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WK Wien: Zukunft des Großhandels liegt in der Digitalisierung

29. Januar 2018 11:40
WK Wien: Zukunft des Großhandels liegt in der Digitalisierung

Beitrag bequem vorlesen lassen:

Studie der KMU Forschung Austria: Wiener Großhandel setzt als wesentlicher Wirtschaftsfaktor rund 61 Milliarden € um. Wandel in der Branche als Chance nützen: Vier Erfolgsstrategien.

„Der Großhandel ist vor allem auch in Wien ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Das zeigen schon die nackten Zahlen. 5.700 Großhandelsunternehmen haben ihren Sitz in Wien. Sie beschäftigen 55.000 Mitarbeiter und machen einen Jahresumsatz von rund 61 Milliarden Euro“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien.

Trefelik bezieht sich dabei auf Ergebnisse der Studie „Zukunft des Großhandels“. Sie wurde im Auftrag der Sparte Handel und der ARGE Großhandel Wien im Herbst 2017 von der KMU Forschung Austria erstellt und nun präsentiert. Die Studie betont auch die Bedeutung des Großhandels für Wien. Zum Vergleich: In ganz Österreich gibt es 25.300 Großhandelsunternehmen mit einem Gesamtumsatz von 141 Milliarden Euro. Trefelik: „Den Löwenanteil des Geschäfts machen also Wiener Unternehmen.“

Großhandel als „unersetzbares Scharnier“
Karl Kristian Gödde, Vorsitzender der ARGE Großhandel Wien, ergänzt: „Auch der Heimmarkt ist für die Wiener Großhändler von wesentlicher Bedeutung. Sie setzen innerhalb der Bundeshauptstadt rund 38 Milliarden Euro um.“ Gödde sieht den Großhandel als „unersetzbares Scharnier zwischen Industrie, Handwerk, Tourismus, Gastronomie und Einzelhändlern“. Die Branche sorge dafür, dass jeder Bedarf schnell und zuverlässig erfüllt werde. „Großhändler tragen dank ihrer Marktkenntnis maßgeblich dazu bei, Angebot und Nachfrage aufeinander abzustimmen und optimale Preise bei bester Qualität zu erzielen“, sagt Gödde.

Dennoch stehe die Branche vor vielfältigen Herausforderungen. Gödde: „Der Markt ist insgesamt rückläufig. In den letzten vier Jahren sind die Umsätze gesunken.“ Die Umbrüche im Großhandel zeigt auch die Studie der KMU Forschung Austria auf.

Digitalisierung und Globalisierung
„Die Zukunft des Großhandels ist von einem kompetitiven Konkurrenzumfeld und sich auflösenden Grenzen zum Einzelhandel und zu den Produzenten gekennzeichnet“, sagt Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria. Immer mehr große Hersteller würden ihre Produkte direkt an Einzelhändler und auch Endkunden verkaufen und so den Großhandel umgehen. „Gleichzeitig werden Märkte und Zielgruppen immer globaler. Digitalisierung und E-Commerce verstärken diese Entwicklung – bei steigender Geschwindigkeit. Das Geschäft wird schnelllebiger.“

Voithofer sieht in diesen Entwicklungen auch Chancen für Großhändler: „Unternehmen müssen aktiv und unvoreingenommen ihre Geschäftsmodelle daran ausrichten und eine klare Positionierung erarbeiten. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Digitalisierung.“

Die Studie „Zukunft des Großhandels“ zeigt vier Erfolgsstrategien auf:

Nischenstrategie: Der Großhändler verfügt über ein hochspezifisches Sortiment, sehr hohe Qualität und umfassendes Service.

Serviceorientierte Strategie: Zum Angebot steht ein breites und tiefes Sortiment. Der zentrale Fokus liegt auf zusätzlichen Serviceleistungen, die einen Mehrwert für Kunden bieten.

Multispezialisten-Strategie: Das Großhandelsunternehmen bietet in einem spezifischen Bereich ein tiefes Sortiment an. Dazu kommt ein umfassendes Leistungsangebot über Komplettlösungen bis zur Integration der Wertschöpfungskette, zum Beispiel zusätzliche Planung von Bauvorhaben.

Preisführer-Strategie: Das Unternehmen bietet ein breites Sortiment zu attraktiven Preisen an. Dabei muss der Großhändler einen ausgeprägten Fokus auf die Kosten legen und über hocheffiziente Prozesse und schlanke Strukturen verfügen.

Digitalisierung nutzen
Voraussetzung für den Erfolg als Großhändler ist laut Studie die Digitalisierung. Über Omni-Channel-Services für Einzelhändler und Gewerbe können Großhändler hier wesentliche Logistik- und Servicefunktionen übernehmen, etwa 24-Stunden-Belieferung oder Direktbelieferung von Endkunden im Corporate Design des Einzelhandelspartners. Über eigene Webshops können auch Großhändler Endkunden direkt ansprechen. E-Commerce bietet auch die Chance maßgeschneiderter Angebote für Klein- und Mittelbetriebe.

Gleiche Spielregeln für alle
Handelsobmann Trefelik abschließend: „Wenn Digitalisierung und E-Commerce entscheidende Faktoren für die Zukunft des Großhandels sind, ist auch klar, dass hier für alle Marktteilnehmer die gleichen Spielregeln gelten müssen. Die gleiche Besteuerung digitaler Betriebsstätten und stationärer Betriebsstätten ist dafür eine Grundbedingung – das fordern wir vehement.“

Flankierend bietet die Sparte Handel breite Unterstützung für die Digitalisierungsaktivitäten der Großhändler: Ein eigenes E-Commerce-Center, den neuen Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann sowie zahlreiche Workshops zum Thema.

Facts zum Großhandel:

  • 5.700 Unternehmen in Wien (25.300 in Österreich)
  • 55.000 Mitarbeiter in Wien (207.300 in Österreich)
  • 61 Milliarden Euro Nettoumsatz Unternehmen mit Sitz in Wien
  • (141 Milliarden € Österreich-Umsatz)

Über die ARGE Großhandel Wien
Die im Jahr 2014 gegründete Arbeitsgemeinschaft Großhandel versteht sich als Interessensgemeinschaft der Wiener Großhandelsunternehmen. Die ARGE Großhandel Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Stellenwert des Großhandels zu heben. Sie möchte für eine umfassende und vor allem langfristig ausgerichtete Aufmerksamkeit auf die Belange des Großhandels sorgen. Die ARGE Großhandel besteht derzeit aus neun Branchengruppen der Sparte Handel Wien: Lebensmittelgroßhandel, Energiehandel, Großhandel mit Mode & Freizeitartikeln, Baustoff-, Eisen-, Hartwaren- und Holzhandel, Handel mit Computern und Bürosystemen, Maschinen- und Technologiehandel, Großhandel mit KFZ-Bestandteilen, -Zubehör und Serviceeinrichtungen, Elektro- und Elektronikgroßhandel & Einrichtungsfachhandel, Versand-, Internet- und allgemeiner Handel.

Rückfragen & Kontakt:
Wirtschaftskammer Wien
Michael Vorauer – Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit
T. 01 51450 1476
M. 0664 403 01 91
E. michael.vorauer@wkw.at
W. news/wko.at/wien

Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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