Handelsverband: Pfandsystem schwächt ländliche Nahversorgung und ist für Erfüllung der EU-Ziele nicht erforderlich

Burgenland, Vorarlberg und Tirol als heimische Vorreiter bei Abfallvermeidung und Recycling. Umbau von Bring- auf Holsysteme für Konsumenten entscheidend.

Der Handelsverband unterstützt den 10-Punkte-Plan für eine alltagstaugliche Kreislaufwirtschaft der heimischen Wirtschaft. Dieser stellt ein ganzheitliches Modell dar, um die ambitionierten EU-Recyclingziele zu erreichen. Das Konzept ist nicht nur volkswirtschaftlich kostengünstiger als alle alternativen Modelle, es vermeidet eine weitere Belastung der Konsumenten und erfüllt darüber hinaus alle abfallpolitischen Zielvorgaben – nicht nur die 90%-Getrenntsammelquote für Kunststoffflaschen bis 2029.

Die Einführung eines Einwegpfandsystems, das die Nahversorgung hierzulande ausdünnen würde, ist damit obsolet. Gerade für viele selbstständige Kaufleute wäre die Anschaffung von Pfandautomaten, einer Presse, der Umbau der Fläche und die zusätzlichen Logistikanforderungen keinesfalls finanzierbar. Hunderte Geschäfte, vor allem im ländlichen Bereich, müssten ihre Geschäfte schließen, wodurch die Nahversorgung in manchen Regionen gänzlich entfallen würde. Dies würde mittelfristig auch die Landflucht befeuern.

„Pfandbefürworter haben sich auf das Einwegpfand eingeschossen und lassen dabei wesentliche Fakten außen vor. Wir müssen künftig nicht nur mehr Plastikflaschen getrennt sammeln, sondern auch die erhöhte Kunststoff-Recyclingquote von 50% bis 2025 erreichen. Das ist nur möglich, wenn beide Ziele gemeinsam und nicht isoliert betrachtet werden“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. „Durch eine österreichweit einheitliche getrennte Sammlung aller Kunststoffverpackungen und die Umstellung von einem Bring- auf ein Holsystem ist beides möglich.“

Zusätzlich soll das Sammeln von Wertstoffen in allen Konsumsituationen noch leichter ermöglicht werden: Einkaufsstraßen, Touristen-Hotspots, Spielplätze, Freizeiteinrichtungen oder auch Partymeilen sollen mit entsprechenden Sammelbehältern für Wertstoffe ausgestattet werden.

„Eine erfolgreiche Abfallsammlung steht und fällt auch mit dem Engagement der Endverbraucher. Daher wollen wir die Konsumenten mit ihren veränderten Konsumgewohnheiten mit ins Boot holen und ihnen die Mülltrennung so einfach wie möglich machen“, sagt Handelsverband-Vizepräsident Frank Hensel.

Ein Erreichen der ambitionierten EU-Recyclingziele – insbesondere für Kunststoff- und Aluminiumverpackungen – sowie der 90% Getrenntsammelquote für Kunststoff-Getränkeverpackungen ist möglich, wie die Vorzeige-Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Burgenland eindrucksvoll belegen. Bereits jetzt werden in diesen drei Bundesländern die für die Erreichung der künftigen Recyclingziele erforderlichen getrennten Sammelquoten für alle Kunststoffverpackungen und die getrennte Sammelquote für Kunststoff-Getränkeflaschen übererfüllt.

„Dass die Investitionskosten wie auch die laufenden Kosten des Einwegpfandes in der Studie des Bundesministeriums zu optimistisch bewertet wurden und ein Pfandsystem tatsächlich über 60 Mio. Euro Mehrkosten pro Jahr verursachen würde, können wir – entgegen anderweitiger Aussagen von Pfandbefürwortern – klar belegen“, so Rainer Will abschließend.

Rückfragen & Kontakt:
Handelsverband
Mag. Gerald Kuehberger, MA
Pressesprecher
Tel.: +43 (1) 406 22 36 – 77
gerald.kuehberger@handelsverband.at
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Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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