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Schienengüterverkehr: Schienennetz soll für 740-Meter-Güterzüge ausgebaut werden

8. Januar 2018 13:00

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Während es in Europa Standard ist, dass Güterzüge eine Länge von 740 Metern haben, bleiben in Deutschland die Züge oft hinter der maximalen Zuglänge zurück. Der Grund: Das deutsche Schienennetz ist nicht für 740-Meter-Züge ausgelegt. Dies wird sich nun aber wahrscheinlich ändern: Das Bundesverkehrsministerium stuft die Ausbauprojekte für längere Güterzüge hoch.

In Deutschland werden Güter auf der Straße, auf Wasser, in der Luft und natürlich auch auf der Schiene bewegt. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gibt an, dass in Deutschland fast 565 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene transportiert werden. Das ersetzt, so der VDV, werktäglich rund 77.000 voll beladene Lkw auf deutschen Straßen. Nach anfänglicher Erholung im Nachgang des Krisenjahrs 2009 musste der Schienengüterverkehr seit 2013 wieder Verluste vermelden.

Deutschland hinter europäischen Standards
Ein Grund für den Rückgang könnte der problematische Einsatz von 740-Meter-Güterzügen sein. Der flächendeckende Einsatz der Güterzüge mit in der EU erlaubten Höchstlänge gestaltet sich sehr schwierig, da das Schienennetz in Deutschland die Anforderungen nicht erfüllt. So gibt es, wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, immer wieder Engpässe, weil Signalanlagen nicht an der richtigen Stelle stehen oder Überholgleise zu kurz sind. Die Allianz pro Schiene geht davon aus, dass über 60 Prozent der auf dem Netz der Deutschen Bahn verkehrenden Güterzüge eine Länge von unter 600 Metern haben. Der europaweite Standard für die Länge eines Güterzugs beträgt 740 Meter und in Ausnahmefällen auch 835 Meter. Weltweit fahren Güterzüge sogar mit einer Länge von 1.000 Metern, 1.500 Metern und mehr. Wie der Verband erklärt, fährt der durchschnittliche Güterzug auf dem deutschen Schienennetz mit 25 bis 30 Güterwaggons.

Anteil der Güterzüge mit 740 Metern

Anteil der Güterzüge nach Länge | © Allianz pro Schiene

 

Schienennetz in Deutschland mit baulichem Aufwand | © Allianz pro Schiene

Schienennetz in Deutschland mit baulichem Aufwand | © Allianz pro Schiene

740 Meter entsprechen 35 Güterwaggons
Dies könnte sich nun aber ändern. Das Bundesverkehrsministerium hat den Ausbau des deutschen Schienennetzes für Güterzüge von 740 Metern Länge positiv bewertet. Die Chefs der großen deutschen Güterbahnen (DB Cargo, SBB Cargo International, der Havelländischen Eisenbahn, der Hamburger Hafenbahn und der Lokomotion Gesellschaft für Schienentraktion) zeigen sich über die Einstufung sehr erfreut und rechnen mit einem großen Verlagerungspotenzialen für die Güterbahnen.

Der Aufwand für die Beseitigung der Netzengpässe wird auf 405 Millionen Euro geschätzt. Wie schnell der Umbau jedoch umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Da der Kosten-Nutzenfaktor mit 4,8 allerdings sehr hoch ist, könnte der Umbau bald beginnen. Fahren bisher durchschnittliche Güterzüge mit 25 bis 30 Güterwaggons, könnte sich die Waggon-Anzahl auf rund 35 erhöhen, was dann einer Länge von 740 Metern entspricht. Im Container-Transport bedeutet das: Ein 740-Meter-Güterzug ersetzt 52 Lkw.

Maßnahmen sollten schnell finanziert und umgesetzt werden
Die Chefs der großen deutschen Güterbahnen sind mit der neuen Priorisierung des Netzumbaus zufrieden. Roland Bosch, Vorstandsvorsitzender von DB Cargo, begrüßt die Entscheidung des Bundes, da so ein wesentlicher Produktivitätshebel der Eisenbahnverkehrsunternehmen, nämlich die Zuglänge, deutlich verbessert wird. Für die Hamburger Hafenbahn ergibt sich durch den Umbau und den Einsatz der 740-Meter-Züge ein Effizienzzuwachs. „Im Kombinierten Verkehr bedeutet dies je Zug zwischen acht und zwölf Containern mehr. Dieser weitere Produktivitätsschub des Schienengüterverkehrs wird allen an der Logistikkette Beteiligten zugute kommen und – last but not least – der Umwelt“, so der Leiter der Hamburger Hafenbahn, Harald Kreft.

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, fordert einen klaren Zeitplan für die Umsetzung von der Politik. Dafür verweist er auf den hohen Nutzen-Faktor bei vergleichsweise geringen Kosten: „Die Maßnahmen bringen volkswirtschaftlich und klimapolitisch einen hohen Nutzen und sind zugleich wenig aufwendig. Es handelt sich oft nur um das Versetzen von Signalen und das Verlängern von Überholgleisen.“ Weiter fordert er mit Blick auf die europäischen Nachbarn eine Beschleunigung beim Planungsrecht und bei der Umsetzung. „Wir brauchen eine Planfeststellung aus einer Hand auch für die Schiene. In den EU-Nachbarländern sind längere Züge bereits im Einsatz. In Dänemark verkehren Züge von 835 Metern Länge, Frankreich plant ab 2018 bereits mit 1.000 Meter langen Güterzügen“, sagte Flege. Laut EU-Kommission sollen spätestens im Jahr 2030 alle Strecken des europäischen Kernnetzes für mindestens 740 Meter lange Züge geeignet sein.

© Egorov Artem – shutterstock.com

Quelle: Logistik-watchblog

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