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Baustellenlogistik vs. Stadtentwicklung

Berlin, eine Stadt wurde aus dem Kahn gebaut. Der „Kaffenkahn“, in seiner größten Form mit nur 250 Tonnen Ladekapazität, war einst das Rückgrat der Stadtentwicklung. Jeder Ziegel und jeder Stein, wurde mit dem Schiff angeliefert und die Wasserstraßen waren daher die wichtigste Infrastruktur für die Baustellenlogistik.

In vielen Städten ist das noch immer so. Auch Berlin wächst weiter und ist weiterhin, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß, eng mit den Wasserstraßen vernetzt. Basierend auf den Ver- und Entsorgungsanforderungen einer Großbaustelle befasst sich die Baustellenlogistik mit der optimalen Planung der ein- und ausgehenden Güterströme sowie der effizienten Flächennutzung für zwischengelagerte Baustoffe und Bauhilfsstoffe, erklärt die Literatur.

Es geht um die Gewährleistung der erforderlichen Termin- und Kostensicherheit und die Ressourcenplanung ist ein wichtiger Bestandteil der Baustellenlogistik. Personal, Ent- und Beladeflächen müssen koordiniert werde. Verzögerungen in der Logistik haben kostspielige Auswirkungen. Die Baustellenlogistik ist oft eine besondere Herausforderung – nicht nur für die Planer, sondern auch für die Anrainer.

Anders als bei der Baustellenlogistik, stehen die Begriffe City Logistik oder Urban Logistics stärker im Fokus der Öffentlichkeit, weil darunter mittlerweile die unterschiedlichsten Transportmittel, vom Lastenrad bis zum Binnenschiff, firmieren. Im Dezember 2013 veröffentlichte die Europäische Kommission das EU Urban Mobility Package. Flugs hat Österreich die Förderschiene aufgegriffen und „Smart Urban Logistics“, den effizienten Güterverkehr in Ballungszentren ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel war in Anlehnung an die im EU-Weißbuch formulierte Zielsetzung, bis 2030 ist die Erreichung einer im wesentlichen CO2-freien Stadtlogistik in größeren, städtischen Zentren zu erreichen. Inzwischen wissen wir, das wird sich nicht mehr ausgehen.

2017 wurde der „Thinkport Vienna“ ins Leben gerufen. Als Denkwerkstatt und Mobilitätslabor sollten praxisorientierte und gesellschaftlich getragene Lösungen für eine ressourcen- und umweltschonende Logistik in der Stadt entwickelt werden. Herausgekommen ist „Hubert“.
Ein Paketdienst, der vom Zentrallager im Hafen ausgehend, Pakete in der Stadt verteilt. Auch nicht gerade eine bahnbrechende Neuerung.

Binnenhäfen gelten aber schon als Knotenpunkte der Transportlogistik, wo Schiene und Straße mit der Binnen- und sogar Hochseeschifffahrt verbunden wird. Der europäische Dachverband der Binnenhäfen (EFIP), weiß das und hat 2021 sogar erklärt, dass Binnenhäfen und Lösungen auf dem Wasser einen tiefgreifenden Platz in der Zukunft der urbanen Mobilität einnehmen müssen.

In einigen Städten geling das gut, in anderen weniger gut und in Wien gelingt es gar nicht. Das „Aktionsprogramm Donau“ des BMK zeigt zwar, dass die nachhaltige Entwicklung des Donauraums nicht nur eine notwendige Aufgabe zum Nutzen von für Mensch, Natur und Wirtschaft ist, sondern zugleich auch eine Quelle innovativer Lösungsansätze sein kann. Jedoch, der Modal Split Güterschifffahrt soll bis 2040 nur von 2 Prozent auf 3 Prozent steigen.

Wien hat schon einige große Chancen, Baustellenlogistik über die Wasserstraße laufen zu lassen, versäumt. Das Nordwestbahnhof-Areal ist mit 44 Hektar Fläche das letzte große innerstädtische Entwicklungsgebiet und liegt sogar in unmittelbarer Nähe zur Donau und zum Donaukanal. Bis 2035 entsteht hier ein neuer Stadtteil von gigantischem Ausmaß. Wo noch bis 2021 ein bedeutender Bahn-Güterumschlag stand, werden bald 6.500 Wohnungen eine Stadt in der Stadt für 16.000 Menschen bilden. Es wird über 10 Jahre eine Megabaustelle in Sichtweite zur Wasserstraße geben – aber ohne Bedeutung für die Binnenschifffahrt.

Der Abbruch zahlreicher Lagerhallen beginnt jetzt. Das Material wird angeblich hauptsächlich über die Schiene abtransportiert. Dennoch warnt man vorsorglich vor einem erhöhten LKW-Verkehr. Aber die Abbruchphase bis 2026, soll „umweltfreundlich“ erfolgen, wird versprochen. „Das Nordwestbahnhof-Projekt ist ein Paradebeispiel für innovative, nachhaltige Stadtentwicklung, die den sozialen und ökologischen Anforderungen einer wachsenden
Metropole gerecht wird“, behauptet die Sprecherin für die Wiener Stadtentwicklung. Die Bürgerinitiative Nordwestbahnhof sieht das allerdings komplett anders. Man hat das Stadt-
Entwicklungsprojekt vor Gericht angefochten – und ist abgeblitzt. Logisch, Bürgerinitiative versus Stadt Wien/ÖBB. Da reicht es völlig auszubehaupten, wir sind innovativ und nachhaltig sowieso.
[RED]

Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2024 – Transport & Logistik

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