|

USA beschließen neue Zölle für Einfuhren aus China

  • Neue Zölle wurden auf die Einfuhr von Stahl, Aluminium, Elektrofahrzeugen, Lithium-Ionen-Batterien, Solarzellen und medizinischen Produkten in die USA aus China erhoben.
  • Ziel dieser Zölle ist es, die heimische Produktion zu fördern und stabilere Lieferketten für wichtige Güter zu gewährleisten.
  • Die neuen Zölle unterscheiden sich von den 2018 unter der Trump-Administration eingeführten. Sie sind gezielter und betreffen Importe im Wert von 18 Mrd. USD, im Gegensatz zu den damals betroffenen 360 Mrd. USD.


Zolländerungen im Überblick

Kürzlich kündigte die Biden-Regierung an, neue Zölle auf bestimmte, aus China eingeführte Waren zu erheben. Zölle sind Steuern, die auf bestimmte Waren oder Dienstleistungen erhoben werden, die aus einem anderen Land importiert werden. Länder, die den Handel fördern wollen, senken oder eliminieren Zölle, um Importe aus bestimmten Regionen zu begünstigen. Umgekehrt erhöhen Länder die Zölle, um den Handel mit bestimmten Ländern oder Waren einzuschränken.

Die Biden-Administration zielt mit den neuen Zöllen darauf ab, den Handel mit bestimmten Waren zu reduzieren oder den Handel mit China zu verhindern. Dies soll die inländische Produktion und Fertigung steigern. In der Abbildung 1 sind die betroffenen Waren und die vorgeschlagenen Änderungen der aktuellen Zölle aufgeführt. 


Wichtigste Ziele 

Ankündigungen über Zollerhöhungen lösen oft Besorgnis über steigende Kosten aus. Mit zunehmenden Importkosten steigen auch die Preise, was in Zeiten hoher Inflation für viele Amerikaner beunruhigend ist. Dennoch gibt es einige Argumente für die Einführung dieser Strafzölle. Die wesentlichen Ziele der neuen Zollsätze lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen:

Schutz und Förderung der US-Fertigung:

Das Weiße Haus will heimische Hersteller vor unfairem Wettbewerb schützen und Investitionen in die US-Produktion ankurbeln. Die verarbeitende Industrie schafft Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft. Zudem bleibt das Geld im Land, wenn Zulieferer in den USA statt in China produzieren. Besonders die Zölle auf Stahl, Aluminium, Elektrofahrzeuge und Solarzellen tragen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.

Widerstandsfähigkeit der Lieferketten: 

Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können: die Covid-19-Pandemie, Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer, Dürreperioden im Panamakanal und viele weitere Unterbrechungen, die verschiedenen Branchen erheblichen Schaden zufügten. Obwohl globale Lieferketten Vorteile bieten, erhöhen sie auch die Komplexität und verringern die Kontrolle. Das ist besonders gefährlich, wenn es um kritische Waren, wie medizinische Güter geht. Durch die Verlagerung von Produktionsprozessen ins Inland werden die Lieferketten weniger komplex. Die vorgeschlagenen Zölle auf Ship-to-Shore-Kräne, Halbleiter, Batterien und Batteriekomponenten sowie auf kritische Materialien unterstützen dieses Ziel dabei besonders.

Förderung fairer Handelspraktiken:

In den vergangenen Jahren hat China im Technologiesektor für Umschwung gesorgt.   China kann Technologien zu einem Bruchteil der Kosten im Vergleich zu seinen Konkurrenten entwickeln. Um gleiche Wettbewerbsbedingungen für US-Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu schaffen, ist die Einführung von Zöllen auf Technologieimporte aus China unabdingbar. Insbesondere Zölle auf Halbleiter, Elektrofahrzeuge und Solarzellen werden dazu beitragen, dieses Ziel zu unterstützen.

Stärkung heimischer technologischer Innovationen und erneuerbarer Energien: 

Die Einführung dieser Zollerhöhungen kann Investitionen in neue Technologien und umweltfreundliche Energielösungen in den USA vorantreiben. Diese Maßnahme wird nicht nur die Entwicklung erneuerbarer Energien vorantreiben, sondern auch zu einer Reduzierung der Emissionen durch die Umstellung auf nachhaltig betriebene Fabriken und einen emissionsärmeren Transport beitragen. Insbesondere Zölle auf Batterien, Batteriekomponenten und Solarzellen werden diese Bestrebungen unterstützen. 

Sicherstellung der Versorgung Gesundheitswesen: 

Während der COVID-19-Pandemie gab es erhebliche Engpässe in der medizinischen Versorgung. Die steigende Nachfrage nach Schutzmasken und anderen medizinischen Materialien, kombiniert mit der Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten, verschärfte die Situation. Produktionsstopps in China, erhöhte Transportkosten und Verzögerungen machten es schwierig, die benötigten medizinischen Güter rechtzeitig zu beschaffen. Seitdem wird verstärkt auf die inländische Produktion wichtiger medizinischer Produkte gedrängt, um die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit in Krisensituationen zu gewährleisten. Die Einführung von Zöllen auf medizinische Produkte unterstützt dieses Bestreben.


Am stärksten betroffene Industrien

Die verarbeitende Industrie ist von den Zollanpassungen der Regierung Biden besonders stark betroffen. Sie sind in hohem Maße von der Einfuhr und Verwendung der von den Zöllen betroffenen Produkte abhängig.

Im Folgenden werden die am stärksten betroffenen Branchen und die möglichen Auswirkungen beleuchtet:

Autoindustrie: 

  • Stahl und Aluminium: Die Automobilbranche verbraucht große Mengen an Stahl und Aluminium für Fahrzeugkarosserien, Motoren und andere Bauteile. Höhere Zölle auf diese Metalle werden die Produktionskosten erhöhen.
  • Halbleiter: Moderne Fahrzeuge sind stark von Halbleitern für verschiedene elektronische Systeme und Funktionen abhängig. Erhöhte Zölle auf Halbleiter werden die Kosten steigern und die Probleme in der Lieferkette verschärfen können.
  • Elektrofahrzeuge (EVs): Hersteller von Elektrofahrzeugen stehen vor erhöhten Kosten für importierte Komponenten wie Batterien und Elektromotoren aufgrund der Anhebung der Zölle für Elektrofahrzeuge und Batterien.
  • Batterien und kritische Mineralien: Hersteller von Automobilteilen, insbesondere diejenigen, die Komponenten für Elektrofahrzeuge herstellen, werden aufgrund höherer Zölle auf Batterien, Batteriekomponenten und kritische Mineralien wie Naturgraphit und Permanentmagnete mit steigenden Kosten konfrontiert.

Elektronik- und Technologieindustrie: 

  • Halbleiter: Diese Branche, zu der Hersteller von Unterhaltungselektronik, Computern und Telekommunikationsgeräten gehören, ist stark auf importierte Halbleiter angewiesen. Höhere Zölle werden die Produktionskosten steigern und möglicherweise zu höheren Preisen für die Verbraucher führen.
  • Batterien: Lithium-Ionen-Batterien werden in vielen elektronischen Geräten verwendet. Anhebungen der Zölle auf diese Batterien werden die Kosten für Hersteller von Laptops, Smartphones und anderen tragbaren elektronischen Geräten erhöhen.

Industrie der erneuerbaren Energien:

  • Solarzellen: Die Branche der erneuerbaren Energien, insbesondere die Hersteller und Installateure von Solarmodulen, werden von erhöhten Zöllen betroffen sein. Dies könnte die Kosten für Solarenergieprojekte erhöhen und die Akzeptanz verlangsamen.
  • Batterien: Energiespeicherlösungen, die für erneuerbare Energiesysteme von entscheidender Bedeutung sind, werden aufgrund der Anhebung der Zölle auf Lithium-Ionen-Batterien ebenfalls teurer werden.

Medizinische Industrie:

Hersteller von medizinischen Produkten wie Spritzen, Nadeln, PSA und medizinischen Gummihandschuhen werden aufgrund der steigenden Zölle mit höheren Kosten konfrontiert sein. Dies könnte sich auf die allgemeine Kostenstruktur und Preisgestaltung im Gesundheitswesen auswirken.

Bauwesen und Infrastruktur:

  • Stahl und Aluminium: Die Bauindustrie verbraucht beträchtliche Mengen an Stahl und Aluminium für die Errichtung von Infrastrukturen, Geschäftsgebäuden und Wohnhäusern. Anhebungen der Zölle auf diese Materialien werden die Baukosten erhöhen.
  • Ship-to-Shore-Kräne: Infrastrukturprojekte in Häfen werden von erhöhten Zöllen auf Ship-to-Shore-Kräne betroffen sein, was zu steigenden Kosten für die Modernisierung und Erweiterung von Hafenanlagen führen wird.

Schwermaschinen und Ausrüstung:

  • Stahl und Aluminium: Hersteller von Schwermaschinen und Ausrüstungen, einschließlich landwirtschaftlicher, Bau- und Industriemaschinen, werden aufgrund der gestiegenen Zölle auf Stahl und Aluminium mit höheren Kosten konfrontiert sein.
  • Halbleiter: Viele Arten von Maschinen verwenden heutzutage hochentwickelte Elektronik und Steuersysteme, die auf Halbleitern basieren. Erhöhte Zölle auf diese Komponenten werden sich auf die Produktionskosten auswirken.


Vergleich zu den Zöllen der Trump-Regierung im Jahr 2018

Auch im Jahr 2018 verhängte die Trump-Administration Zölle gegen China. Das verdeutlicht, dass sowohl die damalige als auch die jetzige Regierung die Herausforderungen und Ungleichgewichte in den Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit China erkannt haben. Beide Parteien wollen amerikanische Unternehmen vor unfairem Wettbewerb schützen, jedoch mit unterschiedlichen Herangehensweisen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Ansätzen liegt im Umfang: Die Zölle der Trump-Administration betrafen chinesische Waren im Wert von etwa 360 Milliarden US-Dollar und erstreckten sich über eine breite Palette von Konsumgütern. Dieser Ansatz sollte das Handelsdefizit mit China reduzieren und gleichzeitig Druck auf China ausüben, seine Handelspraktiken zu ändern. Die Biden-Administration fokussierte sich bei der Erhöhung der Zölle hauptsächlich auf bestimmte strategische Waren, die mit dem wirtschaftlichen Plan der Regierung einhergehen, der umfangreiche staatliche Investitionen in Infrastruktur, saubere Energie und Technologie vorsieht. Dies wird sich auf Importe im Wert von 18 Milliarden Dollar auswirken.

In beiden Fällen haben die ohnehin gespannten Handelsbeziehungen mit China zusätzliche Belastungen erfahren. Im Jahr 2018 reagierte China auf die verhängten Zölle mit Vergeltungsmaßnahmen, die sich auf amerikanische Waren im Wert von Hunderten von Milliarden Dollar erstreckten. Insbesondere landwirtschaftliche Erzeugnisse, Automobile und Industriegüter waren betroffen. Darüber hinaus griff China zu Maßnahmen wie Währungsmanipulationen und regulatorischen Hürden, um US-Unternehmen zu beeinträchtigen. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass die Biden-Administration auch mit Vergeltungsmaßnahmen seitens Chinas rechnen muss, da China bereits öffentlich gegen die neuen Zölle protestiert hat.

Medienkontakt:
TEAM LEWIS
Sarah Kollmann
+49 89 17301916
project44GER@teamlewis.com

Ähnliche Beiträge